Whisky: Tasting

Happiness is having a rare steak, a bottle of whisky, and a dog to eat the rare steak.
Johnny Carson

Eis, Wasser oder pur?

On the Rocks

In alten Hollywood-Schinken sieht man man – meißt wenn es sich der Protagonist gemütlich macht – daß Whisky, in der Regel sogar Scotch, on the rocks, also in einem Tumbler und mit Eiswürfeln geschlürft wird. Fragt man mich – was normalerweise ja niemand tut – zeigt das nur, daß es in diesen Filmen lediglich um eine scheinbare Erhöhung des Coolness-Faktors geht, und nicht darum, daß der Protagonist Whisky wirklich mag.

Whisky Kenner sind sich einig, daß Eis zumindest in Malt Whiskys nichts zu suchen hat. Der Grund hierfür ist einfach: zum Einen betäubt die Kälte des Eises die Zunge, und zum Anderen verhindert die niedrigere Temperatur, daß sich die Aromen freisetzten können. Mit anderen Worten: Whisky on the Rocks schmeckt weniger.

Wasser

Bleibt aulso nur die Frage Wasser oder Pur. Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister.

Bei Whiskys in Faßstärke bietet es sich an, Wasser zuzugeben, um den betäubenden Charakter des Alkohols aufzuheben oder zumindest zu lindern. Aber auch bei geringeren Alkoholgehalten kann man durch mäßige Wasserzugabe im Whisky schlummernde Aromen freisetzen, die einem ohne Wasser wohl verborgen geblieben wären.

Es ist allerdings eine gewisse Sorgfalt bei der Auswahl des Wassers angebracht, um den Eigengeschmack des Whiskys nicht zu beeinflussen. Sinnvollerweise sollte man zu nicht sprudelndem, weichen Wasser greifen, wie es ja auch von den einzelnen Abfüllern zur Steckung der Whiskies auf Flaschenstärke benutzt wird. Ich persönlich bevorzuge hier Highland Spring, theoretisch kann aber auch das edle Leitinger verwendet werden.

Pur

Da Whiskys für die Abfüllung in der Regel auf 40%, 43% oder 46% herunterverdünnt werden, bedarf es eigentlich keiner weiteren Verwässerun, weshalb man hier getrost auf die Zugabe von Wasser verzichten kann.


Magie im Glas

Farbenspiel

Ist der Whisky erst mal im Glas, fällt einem natürlich als Erstes seine Färbung ins Auge. Als großen Kenner der Malt-Whisky-Szene kann man sich nun dadurch hervortun, indem man das Glas gen Himmel hebt, ein Auge zukneift und mit bewunderndem oder erstauntem Blick ominös etwas über die Farbgebung murmelt, um sich dann in wilde Spekulationen über die benutzten Fässer und die Lagerdauer zu ergeben.

Deutlich uncooler ist es da schon, die Farbe mittels irgendwelcher Farbtabellen identifizieren zu wollen. Andererseits kommt man hierrüber natürlich zu einem etwas verlässlicheren Ergebnis. Aus diesem Grund stellen wir Ihnen hier auch ein PDF mit einer Farbtabelle zum Download bereit.

Beine bis zum Boden

Schwenkt man nun das Glas lässig aus dem Handgelenk, und schwärmt ob der sich im Glas bildenden Beine in höchsten Tönen von der wunderbaren Viskosität des edlen Tropfens, hat man es endgültig geschafft: jetzt ist man ein echter Whisky-Kenner.

Aber mal wieder ernsthaft; anhand der sich nach dem Schwenken des Glases an dessen Wänden bildenden sogenannten Beine, können einige Rückschlüsse af die Öligkeit – und damit auf den Reichtum an Aromen – des Whiskys gezogen werden. Indikatoren für großen Aromenreichtum des Whiskys sind unter anderem


Aromen

Die eigentliche Essenz des Whisky steckt natürlich nicht in seinen Äußerlichkeiten wie der Farbgebung oder der Viskosität, sondern in seinen inneren Werten — den Aromen. Hierzu ist mir Ende April 2005 dieser Aromen-Kompaß von der mittlerweile nicht mehr existenten Scotch Source oHG über den Weg gelaufen, der bei der Identifikation der diversen Aromen sehr gute Hilfe leisten kann. Zu erwähnen ist hier vielleicht noch, daß man sich bei der Bestimmung der Aromen nicht an irgendwelche Tabellen, Listen oder Kompasse klammern sollte — wenn man glaubt Harn zu riechen, kann man das ruhig auch sagen!
Auch sollte man darauf achten nicht mit den Augen zu schmecken, sondern diese, damit sich keine optischen Reize über die olfaktorischen Eindrücke legen können, wärend des Schmeckens zu schließen.

Nosing

Den ersten echten Eindruck vom Whisky erhält man beim Nosing. Hierzu nähert man sich mit der Nase langsam der Glasöffnung, damit sich die Nase an den Alkohol gewöhnen kann. Dann steckt man seine Nase tief ins Glas, und versucht die einzelnen Aromen herauszuriechen.

Geschmack

Gesetzt dem Fall, daß man keine dominierenden unangenehmen Gerüche (wie z.B. Harn) feststellen konnte, spricht ja nichts mehr dagegen, den hoffentlich edlen Tropfen zu kosten. Aufgrund der Anatomie der Zunge empfiehlt es sich hierfür den Whisky langsam in den vorderen Bereich des Mundes fließen zu lassen. Hat die Schärfe des Alkohols den Speichelfluß lange genug in Anspruch genommen, um die Alkoholkonzentration auf ein für die Zunge erträgliches Maß zu reduzieren, kann man den Whisky jetzt getrost um die gesamte Zunge spülen und genießen.

Abgang

Irgendwann ist dann der tragische Moment gekommen, da der Whisky die Kehle hinunter, und damit eigentlich außer Reichweite von Zunge und Nase rinnt. Jene Armen, die noch im Mund verblieben sind, entfalten sich jetzt zum hoffentlich langen Abgang.


Fazit

Will man sich auch noch Wochen oder sogar Monate nach dem Verkosten eines Whiskys an desses Eindruck erinnern, sollten man während des Tastings bereits Notizen aufzeichnen. Zu diesem Zweck habe ich hier ein PDF für Tastingnotizen vorbereitet.

Zu Bemerken bleibt noch, daß bei allem Analysieren und Philosophieren der eigentliche Geschmack des Whiskys nicht auf der Strecke bleiben sollte. Insofern also: sláinte!

© 2005-2017 by Patric Sperling
Zuletzt am 2005-06-18 geändert. — Erstellt in 3.53 Millisekunden.